Hormondiagnostik

 

Hormonuntersuchungen liefern uns seit fast einem Jahrhundert Aussagen, die in der Diagnostik über Zustände und Krankheiten von Patienten wichtig sind. Hormone können im Blut, Speichel oder Urin untersucht werden. Als wichtigste Hormone werden die Steroid-Hormone angesehen. Steroide sind Abkömmlinge des Kohlenwasserstoffs Sterans. Im menschlichen Körper ist das Cholesterin das wichtigste Steroid. Auch Sexualhormone und Vitamine sind Steroide. Steroide werden in der Leber zu Gallensäure abgebaut und über die Galle ausgeschieden.

Hormone steuern den menschlichen Körper und seine Funktionen in jeder Sekunde des Lebens: Fortpflanzung, Wachstum, Stoffwechsel, Immunsystem und noch viel mehr wird von ihnen kontrolliert. Dabei ist die feine Abstimmung zwischen den verschiedenen Hormonen von großer Bedeutung. Läuft hier etwas schief und der Körper gerät in eine Dysbalance, fühlt sich der oder die Betroffene schnell unwohl oder gar krank, obwohl organisch oft alles in bester Ordnung ist.

Im Blut liegen die Hormone zu 95-99% an Eiweiß gebunden vor. In gebundener Form sind die Hormone inaktiv, sie bilden eine Art biologisches Reservoir und stellen gemeinsam mit den 1-5 % freien Hormonen die gesamte Hormonkonzentration dar.

Im Speichel messen wir nur freie, d.h. aktive Hormone, so  dass wir im Speichel ein besonders zuverlässigen Gradmesser für die Hormonaktivität finden. Für bestimmte Hormone ist im Blut eine Bestimmung des aktiven Hormonanteils möglich.

Steroidhormone sind kleine hydrophobe Moleküle, die vor allem in der Nebennierenrinde des Körpers gebildet werden. Chemisch gemeinsam haben sie ein Grundgerüst, das sich von der „Muttersubstanz“, dem Cholesterin, herleitet. Die verschiedenen Steroide werden durch sogenannte Monooxygenasen (Cytochrom P450-abhängige Enzyme) chemisch verändert und erfüllen durch die verschiedene chemische Struktur unterschiedliche Aufgaben.

Androgene (wie Testosteron) sind für die Entwicklung der männlichen Geschlechtsmerkmale und -funktionen verantwortlich, während

Östrogene (wie 17ß-Östradiol) an der Ausbildung der weiblichen primären und sekundären Geschlechtsmerkmale und natürlich an Fortpflanzungsprozessen beteiligt sind.

Progesteron, aus der Unterfamilie der Gestagene, ist wesentlich an der Vorbereitung der weiblichen Geschlechtsorgane zur Aufnahme der befruchteten Eizelle und an der Aufrechterhaltung der Schwangerschaft beteiligt.

– Glukokortikoide (wie Cortisol) sind, wie der Name impliziert, an der Zuckerneusynthese und am Abbau von körpereigenem Fett und Proteinen beteiligt. Sie werden den sogenannten Stresshormonen zugeordnet, die bei körperlichen Grenzsituationen zur Aufrechterhaltung der „Energieversorgung“ beitragen.

– Mineralokortikoide (wie Aldosteron) tragen über ihre Wirkungen auf die distalen Abschnitte des Nierentubulus zur Regulation des Wasser- und Elektrolythaushalts bei. Führen Krankheiten zu einem Syntheseausfall einzelner Steroidhormone, können diese Teilfunktionen nicht mehr adäquat kompensiert werden, es kommt dadurch zu Fehlfunktionen des Körpers, schlimmstenfalls zum Tod des Patienten.

Nähere Informationen zu den einzelnen Hormonen finden Sie unter dem Punkt Speichediagnostik.