Markerproteine im Urin

 

  • ALLGEMEIN
    Eine Proteinurie kann durch verschiedene Nierenschäden und durch einige andere Erkrankungen verursacht sein. Die Analyse der spezifischen Proteine im zweiten Morgenurin, bezogen auf den Kreatiningehalt der Probe, erlaubt nicht nur den Ausschluss oder den Nachweis von Nierenerkrankungen, sondern darüber hinaus auch die Differenzierung und Verlaufskontrolle von Nephropathien.

 

  • MARKERPROTEINE
    -Albumin
    Kleineres Protein das normalerweise in geringem Ausmaß durch den Glomerulus (Nierenfilter) geht und in geringerem Ausmaß im Urin erscheint. Wird der Filter undicht, ist es aber eins der ersten Proteine, die gefunden werden.
    -Transferrin
    Von der Größe her vergleichbar mit Albumin. Auch dieses Protein geht schon bei leichten Schäden des Glomerulus durch den Filter.
    -Immunglobulin G (IgG)
    Größeres Protein, das normalerweise überhaupt nicht durch die Nierenfilter geht. Erst bei schweren Schäden des Glomerulus gelangt es in den Urin und wird darüber ausgeschieden.
    -Alpha-1-Mikroglobulin
    Sehr kleines Protein, das auch durch gesunde Nierenfilter durchgeht. Es wird aber von den Nierenröhrchen komplett zurückgeholt und erscheint daher kaum im Urin. Wenn aber die Nierenröhrchenzellen geschädigt sind, ist das Alpha-       1-Mikroglobulin im Urin erhöht.

-Alpha-2-Makroglobulin
Das Alpha-2-Makroglobulin ist ein sehr großes Protein. Es geht selbst bei geschädigten Glomeruli nur in geringer Menge in den Urin. Erst wenn man in den Urin blutet ist dieses Protein in relativ hoher Konzentration zu finden.

  • URSACHEN EINER PROTEINURIE
    1. Die glomeruläre Proteinurie
    Liegt der Nierenschaden im Glomerulus, also im Nierenfilter, wird dieser Filter undicht. Bei der selektiven glomerulären Proteinurie wird vermehrt Albumin und Transferrin ausgeschieden, bei schweren Schäden, der unselektiven glomulären Proteinurie, ist auch das IgG erhöht.
    Ursachen hierfür sind:
    – Hypertonie
    – Hyperlipidämie
    – Diabetes mellitus
    – Kollagenosen

 

2. Die tubuläre Proteinurie
Dies ist eine Form der Proteinurie, die auf die Fehlfunktion des Tubulussystems der Nieren zurückzuführen ist. Normalerweise resorbierte mikromolekulare Proteine werden mit dem Urin ausgeschieden.
Ursachen einer in erster Linie tubulären Proteinurie:
– Interstitielle Nephritis
– Analgetika-Abusus
– tubulotoxische Nephropathie, dedingt durch Aminogykoside, Blei, Lithium
– Mutiples Myelom

3. Mischformen der glomerulären und tabulären Proteinurie
Von beiden Formen gibt es auch Mischformen. Diese können entstehen, wenn einerseits eine Nierenschädigung beide Systeme betrifft oder anderseits ein längerfristiger glomerulärer Schaden regelhaft einen tabulären Schaden hervorruft.

  • FAZIT
    Die neue Strategie zur Proteinuriedifferenzierung wurde in einer Vielzahl von Untersuchungen klinisch geprüft. Es ist zu hoffen, dass Nierenerkrankungen durch ihre Anwendung häufiger als bisher in einem noch therapierbaren Stadium erfasst werden. Zudem könnten die Zahl invasiver Untersuchungen wie Nierenbiopsie, Zystoskopie sowie Röntgenuntersuchungen vermindert oder ihre klinischen Aussagen synergistisch bereichert werden.

 

  • PRÄANALYTIK UND MATERIAL
    2. Morgenurin (ca. 2 Stunden nach der ersten Miktion)

 

  • LITERATUR
    Boege, F., Harnproteine, aus Thomas L., Labor und Diagnose, 6. Auflage, 2005, Seite 560-577
    Hofmann W., Harnuntersuchungen zur differenzierten Diagnostik einer Proteinurie. Dt Ärztebl 2001; 98: A 756 – 763, Literatur zu Urinproteinen

 

KOSTEN:

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