Magen-Darm-Infektionen

 

Magen-Darm-Infektionen – auch Gastroenteritis genannt – gehören weltweit mit Abstand zu den häufigsten Infektionskrankheiten. Fast jeder Mensch erkrankt im Laufe seines Lebens zumindest einmal an einem Brechdurchfall. Oft sogar mehrmals. Ausgelöst werden diese Magen-Darm-Infektionen vorwiegend durch Viren und/oder Bakterien, seltener durch Parasiten. Auch Lebensmittelvergiftungen können eine Ursache sein.

Mit Übelkeit, Durchfall und Erbrechen kündigen sich Magen-Darm-Infektionen an. Meist kommen die Beschwerden genauso rasant schnell wie sie wieder gehen, hier sind dann durch Giftstoffe verdorbener Lebensmittel der Auslöser.

  • Beschwerden

– mehrmals täglich weicher bis wässriger Stuhl

– (krampfartige) Bachschmerzen

– evtl. Übelkeit oder Erbrechen

– gelegentlich Fieber

-ggf. Beimischung von Schleim, Blut oder Eiter

  • Die Erkrankungen

Bei infektiösen Durchfallerkrankungen gelangen krankmachende Viren, Bakterien, Parasiten oder (sehr selten) Pilze in den Darm und reizen, lähmen oder vergiften die Schleimhäute und/oder stören die Resorption, also die Aufnahme der verdauten Nahrungsbestandteile in den Körper.

Virusbedingte Durchfallerkrankung (Virale Gastroenteritis):

Die häufigste Ursache von infektiösen Durchfällen, oft begleitet von Bauchschmerzen, Übelkeit und Erbrechen sowie leicht erhöhter Körpertemperatur, sind Viren, z. B. Rota- oder Noroviren (siehe Punkt Infektionskrankheiten). Rotaviren verursachen 70 % der Durchfälle bei Kindern und sind in Entwicklungsländern eine wesentliche Ursache der Kindersterblichkeit.

Wichtigste Behandlungsmaßnahme ist der Ersatz von Flüssigkeit und Mineralstoffen, was bei Säuglingen und Kleinkindern oft nur in Form einer Infusionstherapie in der Klinik möglich ist.

Da Rotaviren die häufigste Ursache von Magen-Darm-Infektionen bei Kindern unter fünf Jahren sind, empfiehlt die STIKO eine Rotavirus-Impfung bei Säuglingen. Diese wird als Schluckimpfung gegeben, die Impfserie sollte im Alter von sechs bis zwölf Wochen beginnen und je nach Impfstoff bis zur vollendeten 24. oder 32. Lebenswoche beendet sein. Die Impfung kann zusammen mit anderen Standardimpfungen des Säuglingsalters erfolgen.

Bakterielle Durchfallerkrankung (Bakterielle Gastroenteritis):

Tritt seltener auf als virusbedingte Durchfälle. Dafür ist das Krankheitsbild oft schwerer:

  • Salmonelleninfektion (Salmonellenenteritis, Salmonellose): Salmonellen-Bakterien sind in unseren Breitengraden die häufigsten Erreger infektiöser Darmerkrankungen mit Brechdurchfällen, Bauchkrämpfen und Fieber. Meist entwickeln sich die Symptome Stunden bis Tage nach dem Verzehr von infizierten Speisen, z. B. rohen oder nur weich gekochten Eiern und Eierspeisen (z. B. Tiramisu), rohem oder nicht ausreichend erhitztem Geflügel, Muscheln oder Hackfleisch. Auch in tiefgekühlten Nahrungsmitteln können die Erreger überleben, sterben aber bei ausreichend langem Erhitzen bei mindestens 70 °C (50 °C über 1 Stunde) ab. Besonders bei Kindern und älteren Menschen besteht die Gefahr der Austrocknung bis hin zum Kreislaufkollaps.

 

  • EHEC-Infektionen. Die Infektion mit giftstoffbildenden, enterohämorrhagischen  E. coli-Bakterien (EHEC) verläuft bei Erwachsenen oft ohne Symptome, ruft aber vor allem bei Kleinkindern und älteren Menschen (blutig-)wässrige Durchfälle hervor. Sie kann darüber hinaus zu lebensgefährlichem akutem Nierenversagen, zur Auflösung der roten Blutkörperchen und zu schweren Blutungen führen (Hämolytisch-urämisches Syndrom). Diese schwere Komplikation endet in 5 % der Fälle tödlich. Die Infektion erfolgt über den Genuss von infiziertem rohen Fleisch, durch Rohmilchprodukte oder durch (symptomlos) infizierte Personen.

 

  • Relativ häufig bilden die Durchfallerreger Giftstoffe (Enterotoxine). Dazu gehören die enterotoxinbildenden E. coli-Bakterien (ETEC), die für etwa 40 % der Reisedurchfallerkrankungen verantwortlich sind. Die Giftstoffe können Langzeitschäden verursachen. Je stärker jemand erkrankt, desto größer ist auch das Risiko dafür. Der Grund: Je mehr E.-coli-Bakterien sich im Darm befinden, desto mehr Giftstoffe scheiden sie aus. In der Folge drohen Nierenschäden und Bluthochdruck. In einer Langzeitstudie waren die Nieren von stark an Magen-Darm-Grippe erkrankten Patienten drei Mal häufiger in Mitleidenschaft gezogen als bei leicht erkrankten. Auch hatten die Betroffenen häufiger mit Bluthochdruck zu kämpfen – ihr Risiko, dadurch einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu erleiden, verdoppelte sich.

 

Parasitäre Durchfallerkrankungen (parasitäre Gastroenteritiden, PGE). In den Tropen wird jedes Kind damit groß – bei uns sind sie glücklicherweise selten. Zu den häufigeren Erregern gehören:

  • Lamblien-Infektion (Lamblienenteritis): Weltweit vorkommende Infektion mit einem Parasiten, der Kinder etwas häufiger als Erwachsene befällt. Als Übertragungsweg wird verseuchtes Trinkwasser angenommen. Die Beschwerden reichen von geringen Allgemeinerscheinungen wie Übelkeit, Appetitverlust und Blähungen bis hin zu schweren Krankheitszeichen mit Bauchschmerzen, Fieber und Durchfällen. Der Verlauf kann akut und chronisch sein.

 

  • Amöben-Ruhr. Durch einen Parasiten ausgelöste Durchfallerkrankung (wie Lamblien eher in warmen Ländern vorkommend), die zu Abszessen in Leber, Lunge und Gehirn führen kann. Leibschmerzen, Durchfälle und Krämpfe können zu Beginn auftreten. Durchfälle treten nicht bei allen Infizierten auf. Als typisch gelten himbeergeleeartige (blutige) Schleimauflagerungen auf dem Stuhl. Die Amöben-Infektion kann akut und chronisch vorkommen.

 

Lebensmittelvergiftungen

Hier wird der Durchfall nicht durch Krankheitserreger ausgelöst, die in den Darm gelangt sind. Er wird vielmehr durch Giftstoffe (Toxine) verursacht, die von Bakterien gebildet und mit verdorbenen Lebensmitteln aufgenommen werden. Die hierbei typischen Bakterien sind vor allem Staphylococus aureus, Bacillus cereus und Clostridium perfringens. Bei einer Lebensmittelvergiftung erkranken meist mehrere Personen, die eine bestimmte Speise, z. B. einen in der Wärme stehen gelassenen Salat, gegessen haben, nach einigen Stunden (1–16) gleichzeitig an Übelkeit, heftigem Erbrechen, Durchfällen und Bauchkrämpfen, aber meist ohne Fieber. Nach 1 bis 2 Tagen bilden sich die Symptome in der Regel zurück. Ein starker Flüssigkeitsverlust kann jedoch zu Kreislaufstörungen mit Schwäche und Schwindel bis hin zum Kollaps führen.

Sehr selten, aber lebensgefährlich ist die Lebensmittelvergiftung mit dem Gift des Bakteriums Clostridium botulinum, dem Botulinumtoxin. Schon in geringsten Mengen führt es nach anfänglichem Erbrechen und Durchfall zu neurologischen Ausfällen wie Schluck-, Sprach- und Sehstörungen, vor allem Doppeltsehen. In schweren Fällen kann die Vergiftung zu Atemlähmung und zum Tod führen (Botulismus).

Alle Erkrankungen können durch eine Stuhluntersuchung nachgewiesen werden.