Laktose-Intoleranz

 

  • Was versteht man unter Laktose-Intoleranz?

Das Enzym Laktase liegt in den Zellen des Dünndarms vor. Seine Funktion im Stoffwechsel besteht darin, den Zweifachzucker Laktose in die Einzelzucker Glukose und Galaktose zu spalten. Nur die Einzelzucker können im Darm aufgenommen werden.
Wird aufgrund von Laktase-Mangel der Milchzucker im Dünndarm nicht in Glukose und Galaktose gespalten, gelangen größere Mengen Milchzucker in den Dickdarm, wo er Bakterien als Substrat für Gärungsprozesse zur Verfügung steht.
Hierbei entstehen Gase und organische Säuren. Diese bewirken ein Einströmen von Wasser in den Darm sowie vermehrte Darmbewegungen. Diese bakteriellen Gärungsprozesse sind die Ursache für die Beschwerden, welche bei einer Laktose- Intoleranz auftreten.
Die Laktose-Intoleranz (Kuhmilchzucker-Unverträglichkeit) als Enzymmangel darf nicht mit der Milchallergie verwechselt werden, bei der es sich um eine aktive Immunreaktion aufgrund einer echten Allergie gegen Kuhmilcheiweiß handelt.

 Milch

Synonyme
• Laktose-Intoleranz
• Milchzuckerunverträglichkeit
• Laktase-Defizienz
• Laktose-Malabsorption

Symptome
• Bauchschmerzen, Blähungen
• Koliken, Völlegefühl
• Übelkeit, Diarrhoe
⇒ Symptome treten 30 Minuten bis 2 Stunden nach Verzehr von Laktose haltiger Nahrung auf.

Manifestaionsalter
• Selten im Kindesalter
• Im Alter von 2 bis 20 Jahren
• Abhängig von der ethnischen Herkunft

 

  • Diagnostik
    Zur Diagnose einer Laktose-Intoleranz stehen 4 Testverfahren zur Verfügung. Wir möchten hier näher auf 2 Methoden eingehen:

 

den H2-Atemtest

Für den H2-Atemtest müssen Sie eine genau definierte Menge Laktose in Wasser auflösen und auf nüchternen Magen trinken. Über die folgenden zwei bis drei Stunden wird alle 30 oder 60 Minuten der Wasserstoffgehalt in der Atemluft bestimmt. Steigt dieser Wert über 20 ppm zum vorher bestimmten Ausgangswert, weist dies auf eine unzureichende Aufspaltung der Laktose hin.

Das Prinzip hinter dem Test: Unverdaute Laktose gelangt in den Dickdarm und wird von den Bakterien im Dickdarm fermentiert. Dabei entsteht Wasserstoff (H2), der leicht ins Blut übergeht. Da Wasserstoff schlecht löslich ist, wird der Großteil ausgeatmet. Der gemessene Wasserstoffgehalt beim Ausatmen spiegelt die Wasserstoff-Produktion im Darm wider.

Das Testergebnis kann allerdings durch eine Antibiotika-Therapie bzw. eine bestehende Fehlbesiedlung des Dünndarms verfälscht werden. Zudem gibt es so genannte „Non-H2-Producer“, bei denen der H2-Atemtest kein Ergebnis bringt. In diesem Fall besitzen die Betroffenen keine Wasserstoff produzierenden Darmbakterien. Dann ist der Blutzucker-Test zur Diagnose besser geeignet.

Bitte beachten Sie: Auch beim H2-Atemtest kann die hohe Laktoseaufnahme vorübergehend typische, aber reversible Symptome auslösen.

Nachteile:
⇒ Die Funktionstests können nicht zwischen primärer und sekundärer Laktose-Intoleranz unterscheiden.
⇒ Das Auftreten von Symptomen einer Laktose-Intoleranz während der Durchführung des Funktionstestes stellt eine unangenehme Belastung für die betroffenen Patienten dar.

den Gen-Test: z. B. LCT (T -13910 C)

Der Gentest gibt eine eindeutige Aussage, ob ein genetisch bedingter Laktase-Mangel vorliegt. Der Gentest erfasst nicht die seltenere, kongenitale Form der Laktose-Intoleranz. Wenn der Gentest trotz Beschwerden wie Blähungen und Durchfall negativ ausfällt, sollte noch ein Funktionstest (Atemtest, Belastungstest) durchgeführt werden. Die Bestimmung des sogenannten LCT-Genotyps gewinnt zur Diagnose der primären Laktoseintoleranz jedoch zunehmend an Bedeutung. Ein Grund dafür ist sicher, dass die Aufnahme großer Laktosemengen zur Diagnosestellung nicht notwendig ist.

Der verwendete Test weist kleinste Veränderungen in der Erbsubstanz (DNA) nach. Die DNA wird aus einer Blutprobe gewonnen. Die Veränderung im flankierenden Bereich des LCT Gens wird mit Hilfe der PCR nachgewiesen. Da sich die genetische Information in der DNA im Laufe des Lebens nicht verändert, braucht dieser Test nur einmal durchgeführt zu werden. Es werden hierbei keine anderen Bestimmungen oder Veranlagungen für andere Krankheiten durchgeführt.

 

  • Therapie
    • Die Symptome verschwinden, wenn man Laktose-freie Nahrungsmittel zu sich nimmt
    • Wenn man auf Milchprodukte nicht verzichten kann, Kefir & Joghurt bevorzugen
    • Laktase-Tabletten
    • Calciumbedarf vorwiegend über Mineralwasser decken

 

  • Hintergrundinformationen zum Gen-Test
    Laktose-Intoleranz ist erblich. Seit 2002 ist die genetische Ursache für den primären Laktase-Mangel bekannt. Es handelt sich um einen sogenannten SNP (single nucleotide polymorphism) im LCT-Gen.
    Genauer: An Position -13910 im 5’ flankierenden Bereich des Gens kann entweder die Base Cytosin [C] oder aber die Base Thymidin [T] vorliegen. Auf diesen Basenaustausch bezogen spricht man vom CC- respektive vom TT-Genotyp. Beim TT-Genotyp erfolgt die physiologisch bedingte Reduzierung der Laktase-Aktivität im Erwachsenenalter nicht.

 

  • Klinische Bedeutung der Genotypen

 

GENOTYP (-13910 CC)
• Genetisch bedingter Laktase-Mangel
• Laktose-Intoleranz ist vorhanden
• ca. 10 % – 20 % der Kaukasier

GENOTYP (-13910 CT)
• KEIN genetisch bedingter Laktase-Mangel
• Keine Laktose-Intoleranz

GENOTYP (-13910 TT)
• KEIN genetisch bedingter Laktase-Mangel
• Keine Laktose-Intoleranz
• ca. 50 % der Kaukasier

 

  • Wer ist von Laktase-Mangel betroffen?
    – Laktose-Intoleranz betrifft 90% der Weltbevölkerung. Die Laktase-Aktivität nimmt in verschiedenen ethnischen Gruppen zu unterschiedlichen Zeitpunkten ab. In asiatischen und afrikanischen Ethnien ist bereits nach dem zweiten Lebensjahr kaum mehr Laktase-Aktivität nachweisbar.
    – In der kaukasischen Bevölkerung nimmt die Laktase- Aktivität erst um das 2. bis 20. Lebensjahr ab.
    – T-Allel-Träger können lebenslänglich ohne Beschwerden Milchprodukte zu sich nehmen

 

  • Präanalytik und Durchführung
  • H2-Atemtest

5 Atemgasproben nach Anweisung durchführen und anschließend ins Labor senden

  • Gen-Test

Blutentnahme beim behandelnden Arzt oder Therapeuten in EDTA-Blut-Monovette
• Bearbeitungszeit ca. 1 Woche

  • Kosten
    Atemtest

Privat GOÄ-4202×2; 1,15 facher Satz;  € 54,97
IGel GOÄ-4202×2; 1facher Satz; € 47,80

Gen-Test
Privat GOÄ-3920, GOÄ-3922 und GOÄ-3924; 1,15 facher Satz;  € 113,95
IGel GOÄ-3920, GOÄ-3922 und GOÄ-3924; 1,0 facher Satz;  € 99,09

beide Teste zzgl. Material- und Versandkostenpauschale